Thursday, December 27, 2012

Die Kätzchen - Kurzgeschichte



„Wie oft habe ich dir gesagt, du sollst ihn nicht draußen lassen.“ Sara eilte hinein und schrie auf Italienisch.
Sie schrie wegen meines gepolsterten Rollstuhls. Jeder Versuch, sie mit Worten zu beruhigen, wäre sinnlos gewesen. Daher servierte ich ihr ihren Tee mit Kardamomgeschmack und hoffte auf die Wirkung des Tees.
Sara besucht mich zumeist am Wochenende und bleibt nie länger bis um acht Uhr abends. Bei ihrem strengen katholischen Hintergrund kann man ja keine Romantik à la Hollywood erwarten. Obwohl ich sie eigentlich immer heiraten wollte, war unsere Beziehung noch nicht klar einzuordnen. Es schien so irgendwie zwischen Liebe und Freundschaft. Aber nach dem untenstehenden Gespräch bin ich nun nicht mehr sicher, ob die Gefühle gegenseitig sind.
„Karhti, was magst du lieber, Hunde oder Katzen?“

„Ich mag alle Tiere, aber nur von weitem betrachtet.“

„Ich kannte noch nie jemanden, der leben konnte, ohne Tiere zu mögen. Mein Wunsch wäre es, in einem großen Haus mit duzenden Katzen, vier oder fünf Hunden, ein paar Vögeln und viel Liebe zu wohnen.“

„Sara, ich bin in einem Land aufgewachsen, wo Menschen hart um einen Bissen kämpfen. Mein Herz gehört diesen Menschen. Ich habe weder Lust noch Geld Tiere zu füttern.“

Ich bin wirklich kein Tierhasser. Aber ich finde schon, dass mein Haus Menschen gehören sollte, nur Menschen.

Eines Tages, als sie mich beim Füttern einer Katze mit Fischabfällen erwischte, wurde sie wütend und erklärte mir, dass ich das nicht tun solle. Das sei nicht gut für die Verdauung, ich sollte die Katze daher nur mit Katzenfutter aus dem Katzenfuttergeschäft füttern, und mit sonst nichts.

Später, als sie mich in der folgenden Woche besuchte, war mein Rollstuhl wie üblich draußen vor der Tür. Ich hörte, dass sie „Karthi“ rief, voll freudiger Aufregung. Eine Katze und ein paar Kätzchen hatten es sich auf dem Polster meines Rollstuhls bequem gemacht. Sie hielt diese Szene viele Male mit der Kamera ihres I-Phones fest.

Einige Monate zuvor hatte ich den Rollstuhl draußen stehen gelassen um das Kissen zu trocken, auf das ich Tee geschüttet hatte. Damals sah ich wie eine Katze sich darauf  warm zusammenrollte und friedlich schlief. Von da an machte ich es mir zur Gewohnheit den Rollstuhl ab zehn Uhr abends draußen stehen zu lassen.

Leider, wann immer Sara morgens kommt, ist die Katze schon weg und Sara ärgert sich den Rollstuhl alleine zu sehen. Außerdem habe ich selbst die Katze schon seit einigen Wochen nicht gesehen. Aber ich vergesse nie, den Rollstuhl richtig zu positionieren. Vielleicht habe ich jetzt ja verstanden, warum die Katze mich verlassen hat. Auch Sara weiß den Grund, warum ich den Rollstuhl nach draußen stelle. Als sie das hörte, war sie glücklich. Ich hatte sie noch nie so glücklich gesehen.

Übrigens, ich hatte vergessen, das zu sagen. Sara bleibt heute Nacht bei mir.

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Translated by Magdalena Strauss


 
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